Deutsche Bundesbank München zu Gast an der Beruflichen Oberschule Ingolstadt

Im Rahmen der ökonomischen Bildungsangebote der Bundesbank kam am 4. Februar 2016 Herr Alexander Mixa, Mitarbeiter des Stabs des Präsidenten, Hauptverwaltung in Bayern der Deutschen Bundesbank an unsere Schule, um für unsere 13. Klassen  aus allen Fachrichtungen zwei Vorträge zum Thema „Die Geldpolitik des Eurosystems im Umfeld der Krise“ zu halten.

Zunächst stellte der Referent kurz seinen beruflichen Werdegang vor und forderte die Schülerinnen und Schüler auf, jederzeit während des Vortrags Fragen zu stellen,  was von diesen auch rege wahrgenommen wurde.

Als Erstes stellte der Referent das Eurosystem sowie Aufbau und Aufgaben der Bundesbank vor. Anschließend referierte er über das Ziel der Geldpolitik, die Preisstabilität zu wahren, wobei die daraus resultierenden Maßnahmen nur mittelbar auf das Preisniveau wirken.
Ansatzpunkt der Geldpolitik ist der Bedarf der Geschäftsbanken an Zentralbankgeld.
Die Höhe der Zinssätze, zu denen die Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld ausleihen, die sogenannten Leitzinsen, sind Orientierung für die Zinssätze am Geld- und Kapitalmarkt und sollen damit  letztlich auf  das Preisniveau wirken.
Der Referent führte aus, dass das Preisniveau allerdings von vielen Faktoren beeinflusst wird, weshalb der EZB- Rat geldpolitische Entscheidungen auf Grundlage einer wirtschaftlichen und monetären Analyse,  der sogenannten Zwei- Säulen- Strategie trifft.

Nachdem Herr Mixa das „Klassische Instrumentarium des Eurosystems“ vorgestellt hatte, das Einfluss auf die Kreditvergabe der Geschäftsbanken nimmt, ging er auf den Euroraum im 9. Jahr der Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise ein.
Er erläuterte die Ursachen der Krise und stellte dann die Maßnahmen des Eurosystems seit 2007 vor.
Eine geldpolitische Reaktion auf die Krise I war eine massive Leitzinssenkung von 4,25% auf 0,05%, die Sparer, Kreditnehmer, Arbeitnehmer, Aktionäre etc. unterschiedlich betrifft.
Im Zusammenhang mit der Bewertung des Niedrigzinsumfeldes betonte Herr Mixa, dass es  die Aufgabe des Eurosystems ist, den Geldwert stabil zu halten, nicht eine bestimmte Verzinsung zu garantieren.
Gleichwohl sei eine dauerhafte Niedrigzinspolitik mit Risiken verbunden. Sie könne u.a. ein Problem für Banken und Versicherungen werden, zudem sei ein sehr niedriger Zins schädlich für die Sparkultur.
Weitere geldpolitische Reaktionen auf die Krisen II , III und IV sind Mengentender mit Vollzuteilung, zusätzliche Liquiditätsbereitstellung ,  Erweiterung des Sicherheitenrahmens sowie Ankaufprogramme für ABS und Covered Bonds und Staatsanleihen sowie Absenkung des Mindestreservesatze und ELA (Notfallkredite).

Die Staatsanleihekäufe, so der Referent, werden im EZB- Rat durchaus kontrovers diskutiert.
Die Mehrheit im EZB- Rat befürwortet die  Anleihekäufe, weil sie u.a. für die Abwendung von Deflation notwendig seien  und das Geld aus den Staatsanleihekäufen der Wirtschaft sofort ausgabewirksam zu Verfügung stehe.

Eine Minderheit findet, dass die Anleihekäufe zu früh kamen, weil u.a. die Niedrig- Leitzinsen und die reichliche Liquidität noch nicht ihre volle Wirkung entfaltet haben und die Liquidität von Banken und Investoren auch zu Spekulationszwecken genützt werden könnten.
Die Bundesbank beurteilt die Staatsanleihekäufe durch das Eurosystem sehr kritisch.
Sie  sieht eine  Nähe zur monetären Staatsfinanzierung sowie eine erhebliche Umverteilung der Risiken zwischen den Steuerzahlern verschiedener Länder, für die es keine demokratische Legitimation durch Parlamente oder Regierungen gibt.
Zudem dämpfen die Ankäufe die Reformbereitschaft in den Krisenländern.
Aus Sicht der Bundesbank ist das Quantitative Easing - Programm zum jetzigen Zeitpunkt unnötig, da die Gefahr einer Deflation sehr gering ist.
 
Abschließend zog Herr Mixa ein Fazit: Was ist zu tun?
 
  • Krisenstaaten müssen weiter Strukturreformen anstreben, ohne Konsolidierung der Staatsfinanzen wird es kein Ende der Krise geben.
  • Die Geldpolitik kann nur Zeit „erkaufen“, nur die Regierung der „Problemstaaten“ können die der Krise zugrunde liegenden strukturellen und fiskalischen Probleme lösen.
  • Die Niedrigzinspolitik im Euroraum darf kein Dauerzustand werden, allerdings ist die sehr expansive Geldpolitik wegen des schwachen Wirtschaftswachstums und der niedrigen Inflationsraten im Euroraum angemessen.
  • Das Rahmenwerk der Währungsunion ist reformbedürftig.
 
Der trotz der Komplexität der Thematik auch für Nicht- Wirtschaftler verständlich gehaltene, kurzweilige und aktuelle Vortrag wurde von den Schülerinnen und Schülern mit viel Beifall bedacht.
 
Wir bedanken uns noch einmal ganz herzlich bei Herrn Alexander Mixa  für den hervorragenden, sehr kompetenten und informativen Vortrag.
 
Rosa Maria Staudacher (Fachbetreuerin Wirtschaft)


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