Sicherheitspolitischer Vortrag des Jugendoffiziers Hauptmann Hans-Christian Landrock (Nürnberg) am 30.11.2016

Am 30. November 2016 war es soweit - der Referent für Sicherheitspolitik und Katastrophenschutz der Bundeswehr, Hauptmann Hans-Christian Landrock, präsentierte einem – wie sich durch die zahlreich gestellten Fragen und geleisteten Beiträge zeigte – gut vorinformierten Plenum der 13. Klassen der FOS BOS Ingolstadt einen facettenreichen Vortrag über das Wesen und die Folgen der Konflikte im Irak und in Syrien als Risiken und Herausforderungen für die internationale Sicherheit. Notwendigerweise war dabei die Erscheinung des sogenannten „Islamischen Staats“ ins Zentrum zu rücken. 
So führen regelmäßig Ressourcenverknappungen zu Spannungen, die wiederum zu sozialen und damit ethnischen, d.h. oft religiös anmutenden bewaffneten Konflikten eskalieren. Betroffene staatliche Strukturen erweisen sich oft als schwach. Es kommt zu Kontrollverlusten und Waffenverbreitungen, die von einfachen Handfeuerwaffen über Panzer bis hin sogar zu Massenvernichtungswaffen reichen können. 
In Folge der Kriegszustände verketten sich menschenunwürdige Verhältnisse: Flüchtlingsströme können im Aufnahmegebiet neue Probleme auslösen, da dort ebenfalls knappe lebenswichtige Güter nun mit einer ebenso kurzfristig wie drastisch gestiegenen Zahl an Menschen geteilt werden müssen. Neue Verknappungen entstehen bzw. bestehende Knappheiten verschärfen sich und das Konfliktpotential zwischen der einheimischen Bevölkerung und den zugewanderten Ethnien oder Religionsgruppen erhöht sich. Somit schwächen oder zerstören Konflikte regelmäßig die staatliche Infrastruktur und das staatliche Gewaltmonopol. Unzureichender Wohlstand und ein fehlender staatlicher Sicherheitsapparat begünstigen zudem die Entstehung und Ausbreitung organisierter Kriminalität. Ins Blickfeld rückte der Referent hier den Handel mit Drogen und Waffen sowie den Handel mit Kulturgütern, Menschenhandel und Cyberkriminalität.
 
Das unberechenbarste und gefährlichste Resultat ist in dem Zusammenhang die Entstehung von Terrornetzwerken wie dem des sogenannten „Islamischen Staats“ im Irak und Syrien. Die Organisation bedient sich für ihr Handeln einer absolut reduktionistischen Religionsauslegung, welche für ihre Zwecke die Friedensbotschaft des Koran ausblendet. Gerade in dem so vereinfachten „Angebot“ liegt aber ein Schwerpunkt der Anziehungskraft des Netzwerks für besonders junge Männer, die – ungeachtet ihrer Verantwortlichkeit - Misserfolge im sozialen Umfeld erleben. Islamische Theologen haben es oft schwer, dagegen anzukommen.
So beruht der Erfolg des sogenannten „Islamischen Staats“ auf einer islamistischen „Utopie“: Leid, Unterdrückung, Ungerechtigkeit ließen sich besiegen, wenn man die Feinde des Islam vernichtet. Wer sich dem anschließt, wird Teil einer Bewegung, die nicht Dazugehörende fürchten müssen, und hat vermutlich zum ersten Mal in seinem Leben ein Gefühl von Stärke, Macht und Überlegenheit. Die Rekrutierung gelingt dabei immer einfacher unter dem Begriff des „Cyber Jihad“ per Internet.

Konsequenzen für Deutschland und Europa
Wesentlich ist das Verständnis des sogenannten „Islamischen Staats“ als komplexes System, das ebenso komplexe Antworten und Strategien zur nachhaltigen Bekämpfung erfordert. Neben der militärischen und politischen verfügt die islamistische Terrororganisation über eine religiös verbrämte Dimension, deren zentrale Bedeutung für die bisherige Durchsetzungsfähigkeit nicht zu unterschätzen ist und deren Attraktivität für eine geistesgeschichtlich westlich geprägte Gedankenwelt auch kaum nachvollziehbar ist.
Geschätzt sind zwischen 400 und 1000 aus Deutschland stammende Kämpfer auf Seiten der Terrororganisation im syrischen und irakischen Kriegsgebiet im Einsatz. Man geht davon aus, dass circa 180 von ihnen bereits zurückgekehrt sind. Als am schwersten zu beherrschende Herausforderung steht im Fokus die Gefahrenqualität islamistischer Cyberkriminalität, auf die der Staat mit einem europäisch vernetzten Cyber-Abwehrzentrum antwortet, das als Koordinator zum Schutz kritischer Infrastrukturen dienen soll. 
(Stefanie Wiese, Dr. Markus Liebl)
Copyright 2011-2017. Joomla 1.7 templates free. StR Matthias Dominik - Ingolstadt/ Bayern