Das Ende der Automobilindustrie?




Es war einer seiner ersten öffentlichen Auftritte nach Bekanntgabe der Umstrukturierungspläne bei der Marke VW: Der Vorstandsvorsitzende des Volkswagen Konzerns und ehemalige Schüler der FOS BOS Ingolstadt Matthias Müller hielt einen Vortrag über die Zukunft der Automobilindustrie und stellte sich in der anschließenden Podiumsdiskussion den Fragen der Schülerinnen und Schüler. 


„Da hat man den Lenker eines Weltkonzerns vor sich – und dann spricht der bayerisch, führt ein Gespräch mit uns Schülern auf Augenhöhe und zeigt auch noch Humor“, so fassen die Schüler der 13. Technik-Klasse ihre Eindrücke des VW-Vorstandschefs Müller zusammen. 

Auf Einladung des Fördervereins referierte Müller zunächst über den Wandel der Automobilindustrie zum Mobilitätsdienstleister. Mithilfe der neuen Konzernstrategie „Together 2025“  will der Volkswagen Konzern auf Herausforderungen wie Elektromobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung reagieren. „Jedes Unternehmen braucht Wandel. Volkswagen steht vor dem größten Wandel, den das Unternehmen je erlebt hat.“, stellte Müller dabei klar. „Dieser Transformationsprozess wird Zeit und Ausdauer erfordern. Und auf diesem Weg müssen wir auch Widerstände überwinden.“ 

In der anschließenden Podiumsdiskussion, die von zwei Schülern der 13. Klasse moderiert wurde, hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre Fragen zum Thema Elektromobilität, autonomes Fahren und Smart Factory an den Konzernchef zu richten. Auf die Frage einer Schülerin, ob bei einem E-Auto nicht etwa die Freude am Fahren, an „sattem Sound, viel PS und großem Hubraum“ fehlen würde, meinte Müller, dass auch diese Autos künftig einen starken Sound bekämen, was zudem der Sicherheit diene. Darüber hinaus werde das Problem der begrenzten Reichweite in naher Zukunft sicher gelöst sein. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass echte Reichweiten von über 600 Kilometern pro Batterieladung möglich sind.“, so Müller. Auch die Haltbarkeit der Batterien werde genauso lang sein wie die des ganzen Fahrzeugs. Die Freude am Automobil der Zukunft liege beim autonomen Fahren dann nicht mehr allein am Fahrgenuss selbst, sondern vor allem am Zeitgewinn. „Wer im selbstfahrenden Auto sitzt, kann schon mal die Zeitung lesen, sich auf die nächste Sitzung vorbereiten oder einen Erholungsschlaf genießen.“

Im Hinblick auf das Thema „smart factory“, einer Produktionsstätte, in der intelligente, digital vernetzte Systeme eine nahezu selbstorganisierte Produktion ermöglichen, räumte Müller ein, dass einfache Tätigkeiten z.B. am Fließband wegfallen würden, jedoch die Arbeitsplätze insgesamt erhalten blieben: „Es braucht ja auch Leute, die die Roboter steuern, überwachen, zusammenbauen oder reparieren. Ich würde mir keine großen Sorgen über die volkswirtschaftliche Gesamtbeschäftigung machen. Der Blick zurück zeigt: Bei jeder industriellen Revolution gab es am Ende mehr Chancen als Risiken.“ 

Ebenso eifrig diskutiert wurde über das autonome Fahren, in dem kein manuelles Steuern seitens des Fahrers mehr nötig ist. Wegen der künftig weiter zunehmenden Verkehrsdichte hält Müller diese Entwicklung für unverzichtbar. Die klassische Automobilindustrie wandle sich immer mehr vom Autobauer zum Mobilitätsanbieter. Zwar sehe er ein Problem in der Übergangszeit, wenn personengelenkte, teilautonome und vollautonome Fahrtzeuge gleichzeitig auf den Straßen unterwegs seien, aber die Zukunft werde sich durchaus positiv gestalten. „Die Anzahl der Unfälle wird deutlich zurückgehen.“ 

Die Diskussion endete mit den von vielen mit Spannung erwarteten Fragen zu seiner Person. Hier zeigte sich der VW-Chef sehr offen und ging ehrlich auf Fragen zu seinem beruflichen Werdegang, zum Umgang mit Stress oder auch zur Fußball-Bundesliga ein. Auf Tipps für die spätere Berufswahl angesprochen stellte Müller nicht nur Berufe aus dem Bereich der Informatik und des Programmierens heraus, sondern verwies auch auf soziale Berufe beispielsweise aus dem Gesundheits- oder Pflegebereich. Einen kleinen Seitenhieb auf die aktuelle Diesel-Affäre konnte er sich dabei nicht verkneifen: „Natürlich sind Juristen heutzutage und auch in Zukunft sehr gefragt“. Den Abschluss bildete die Frage der Schülersprecherin, welche drei Ratschläge Herr Müller ihnen mit auf den Weg geben würde. Die bodenständige Antwort blieb auch den Schülern der 13. Technik-Klasse gut in Erinnerung: „Treibt Sport, bleibt immer offen für Neues und geht respektvoll miteinander um!“ Dass die Schüler diesen Respekt des VW-Chefs am Abend spürten, zeigte sich im lang anhaltenden Applaus am Ende.

Von Maria Dessau
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